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Gedanken während eines Einsatzes
von Ralf Paschold
Ein schöner, aber kühler Tag, kurz vor Winteranfang. Es
ist Samstag, der 18.12.2004. Ich höre die Sirene und schaue sofort auf die Uhr.
Es ist 15:03 Uhr. Was könnte geschehen sein.
Hoffentlich brennt kein Gebäude
in Wittgendorf, mein erster Gedanke, so kurz vor Weihnachten. Jetzt die
Entscheidung,welches Transportmittel.
Ich entscheide mich für das Fahrrad. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf.
Ich trete in die Pedale, mein Bike lässt sich nicht hochschalten,
verdammt.So versuche ich schneller zu
treten und schaue schon in den Himmel über unser Dorf. Bis jetzt noch kein
dunkler Rauch zu sehen. Am Dorfplatz kommt Normen Biehl gelaufen, ruft noch
etwas in Richtung seines Hofes, kann es nicht verstehen. Mein Blick geht in
Richtung ehemaliges Gemeindeamt, kein Qualm zu sehen. Eine durchdringende
Stimme gibt lautstarke Anweisungen. Ich weiß, dass der Knut Hauptlorenz auf den
Weg ins Gerätehaus ist. Trotzdem geht mir die Wasserförderung in das obere Dorf
nicht aus den Gedanken. Mein nächster Blick nach rechts auf das Grundstück
unseres Bürgermeisters. Sein Jeep nicht zu sehen, sollte er schon weg sein?
Endlich geht es bergab. Durch die unbelaubten Bäume kann ich das untere Dorf
sehen. Nichts zu erkennen. Ich werde schneller. Mir war bekannt, der
Ortsbrandmeister ist nicht da. Vielleicht steht die alljährliche Herbstübung
an, ich weiß es nicht. So werde ich wohl heute Einsatzleiter sein. Der
verharschte Schnee an der Einfahrt zum Gerätehaus bringt mich fast zum Sturz,
zu schnell, klarer Fall.
Als Maschinist sitzt Tino Rosenbusch bereits im
Löschfahrzeug, wieder ein Problem weniger. Endspurt mit dem Rad in die
Fahrzeughalle. Die Situation ist immer noch unklar. Unser Bürgermeister Frank
Biehl funkt bereits mit der Rettungsleitstelle. Erste Info: Verkehrsunfall mit
eingeklemmter Person auf der
Verbindungsstraße zwischen Wittgendorf und Rohrbach. Matthias Pabst und
Norbert Biehl sind eingetroffen. Ich fordere unsere Kameraden auf, sich
umzuziehen, weise an, Ölbinder, Schaufeln und Besen zusätzlich einzuladen.
Einige Kameraden der Jugendwehr helfen mit. Ich fordere alle auf, Ruhe zu
bewahren und in einer normalen Lautstärke zu kommunizieren, es wird befolgt.
Die Frage, dürfen wir mitfahren, kam von Mitgliedern der Jugendwehr. Ich zähle
die Einsatzkräfte, noch genug Platz, klar könnt ihr mit. Vereiste Straße, Tino
fährt entsprechend. Am Waldbad Aue vorbei Fahrt zur Einsatzstelle. Nach einer
überfrorenen Rechtskurve mit anschließender Brücke über die Sorbitz steht ein
blauer Audi A 4 im Bach. Meldung an die Rettungsleitstelle. Ich springe aus dem
LF 16, laufe über die Bankette der Straße zum verunfallten Fahrzeug und
verschaffe mir einen Überblick. Unser Kreisbandmeister Theo Sorge steht an der
geöffneten Fahrertür. Nach einem kurzen Hallo die Info: Verletzte weibliche
Person, 18 Jahre, bei Bewusstsein, nicht eingeklemmt, mögliche
Rückenverletzung, Notarzt über Leitstelle verständigt, Anforderung Feuerwehr
Kleingeschwenda/A.. Viele Informationen auf einen Haufen. Ich gab mich als
Gruppenführer unserer Wehr zu erkennen. Ein Mitglied der Jugendwehr schreibt
den Lagefilm. Die Unfallstelle wird durch uns erkennbar gesichert. Der Versuch,
die Beifahrertür des Audi mittels Brechstange zu öffnen scheitert kläglich,
wohl doch Qualität aus Ingolstadt. Die Einsatzkräfte legen Steckleiterteile als
Brücke über den Bachlauf. Theo steht mit seinen Stiefeln imknietiefen Wasser, sicher eiskalt. Die
Batterie wird abgeklemmt. Zeitgleich treffen der Rettungsdienst und die FW
Kleingeschwenda/A. an der Unfallstelle ein. Kurze Eiweisung, dann wird aus dem
A 4 ein Cabrio, Dank den Kleingeschwendaern. Andreas Schmutzler meldet sich bei
mir, vergaß zu fragen, wie er zum Einsatzort gekommen ist. Der Notarzt mit
Rettungsassistenten stabilisierten die verletzte Person, danach Verbringung in
den Rettungswagen. Wo bleibt der Abschleppdienst?
Schnelle Entscheidung, wir versuchen den Audi mit dem Allradlöschfahrzeug Kleingeschwenda/A. zu bergen.
Eine abenteuerliche und nicht alltägliche Stahlseilverbindung mit
Abschleppstange wird konstruiert, ich denke, das klappt nie. Falsch, es gelang
beim ersten Versuch, das A-4-Cabrio wieder auf dem Trockenen. Der Kreisbrandmeister bedankt
sich persönlich, welche Ehre. Alle benutzten Geräte werden am und im LF 16
verstaut, Einsatzende. Wir fahren durchgefroren zurück. Aus meiner Sicht ein
gut abgelaufener Einsatz mit guter Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr, Notarzt
und Sanitätern, Polizeisowie der
Einsatzleitung. Keine Verletzungen oder Ausfälle unter den Einsatzkräften, gute
Sache.
Ich wünsche der verunfallten jungen Frau, im Namen aller eingesetzten
Rettungskräfte, gute Besserung und alles gute für die Zukunft.